Staller und der unheimliche Fremde

Inhalt

Stell dir vor, wenn du zur Arbeit gehst, kommt ein Fremder in deine Wohnung. Er liest deine privatesten Dinge, sitzt auf deiner Toilette und liegt in deinem Bett. Er eignet sich dein komplettes Leben an - und du ahnst nichts. Ein Albtraum? Warte ab, bis er den zweiten Teil des Plans umsetzt!
Genau das erlebt Vivian Heber. Sie hat Angst den Verstand zu verlieren. Der Polizei sind die Hände gebunden, denn einen Beweis für die Existenz dieses Fremden gibt es nicht. Nur Polizeireporter Mike Staller glaubt ihr. Dann verschwindet Vivian plötzlich spurlos …

Eigentlich haben Kommissar Bombach und Mike Staller genug mit der Suche nach einem Mädchen zu tun. Die kleine Laura aus Eimsbüttel war auf dem Weg zum Spielplatz. Aber dort ist sie nie angekommen. Geht es um Lösegeld oder ist sie gar in den Händen eines Kinderschänders gefangen? Eine Fahndung in “KM – Das Kriminalmagazin“ soll helfen Licht in den Fall zu bringen. Doch Spuren und Zeugenaussagen bleiben diffus. Einzig ein weißer Transporter scheint eine Rolle gespielt zu haben.
Während Bombach Verkehrskameras auswertet, um die Nadel im Heuhaufen zu finden, bittet Vivian Mike Staller um Hilfe. Sie hat in ihrer Wohnung Gegenstände bemerkt, die ihr nicht gehören. Ein Apfel, eine Zeitschrift, eine CD …
Wer ist der geheimnisvolle Besucher und was will er von ihr? Fragen, die Vivian Angst machen. Erst recht, weil sie als Jugendliche von zwei Männern vergewaltigt wurde. Das Trauma sitzt tief. Und dann ist sie plötzlich verschwunden. Da es aber keinen Beweis für ein Verbrechen gibt, kann Kommissar Bombach offiziell nicht eingreifen. Staller und seine Kolleginnen von “KM – Das Kriminalmagazin“ recherchieren auf eigene Faust und kommen einem Mann auf die Spur, dem alles, wirklich alles zuzutrauen ist.

Staller-Freunde wissen, was sie erwartet: Auch im sechsten Band verbindet der Autor atemberaubende Spannung mit skurrilen Typen und witzigen Dialogen.


Leseprobe

Sein Blick huschte durch den Flur der unbekannten Wohnung wie ein Suchscheinwerfer durch die Nacht. Das kleine Sideboard mit allerlei Gegenständen darauf – eine Schale für Schlüssel, einige Briefumschläge und diverse Reklamezettel – er brauchte nur Sekunden, um es als Bild in seiner Gedankenbibliothek abzulegen. Während seine Augen als Nächstes die Garderobe scannten, speicherte sein erstaunliches Hirn die bisherigen Daten zuverlässig. Jetzt würde er zu jedem beliebigen Zeitpunkt sämtliche Objekte im Raum und ihre genaue Position zueinander aufrufen können. Das war wichtig. So konnte er unbesorgt Dinge in die Hand nehmen, mit sich herumtragen und trotzdem den ursprünglichen Zustand exakt wiederherstellen.
Seine Hand strich über die gefütterte Lederjacke mit dem künstlichen Pelzkragen und ein kleiner Schauer lief ihm über den Rücken, als er sich vorstellte, dass seine Auserwählte in diesem Kleidungsstück steckte. Er hatte sie schon darin gesehen. Gut sah sie aus. Ein bisschen sportlich, aber nicht zu lässig. Gerade richtig für ihn.
Er drückte seine Nase in den Kragen und atmete tief ein. Ein Hauch ihres Parfüms war zu erahnen. Frisch, ein wenig zitronig und mit einer Anmutung von Holz. Angenehm und nicht zu üppig aufgetragen. Genau so, wie er es liebte. Mit geschlossenen Augen trat er einen Schritt zurück und gönnte sich einen Moment der Träumerei. Er rief ihr Gesicht auf und vertiefte sich in ihre grün-braunen Augen mit den kleinen, bernsteinfarbenen Reflexen. Andere hätten ihr Gesicht als durchschnittlich bezeichnet, aber für ihn war es wunderschön. Die schmale Form, das Grübchen am Kinn und die schlanken Brauen hatten es ihm angetan. Eine minimal zu große Nase und die relativ schmalen Lippen machten ihre Erscheinung zu etwas Besonderem. Auch die glatten, braunen Haare, die ihr immer so viel Kummer machten, weil sie dazu neigten einfach nur herunterzuhängen, passten in sein Bild der idealen Frau. Die unnatürliche und gleichförmige Schönheit der Models auf den Titelseiten der Illustrierten verachtete er.
Mit ein wenig Bedauern verschob er diese Vorstellung zurück in sein inneres Archiv. Jetzt stand er in ihrer Wohnung und es gab so viel zu entdecken. Das verlangte seine volle Aufmerksamkeit. Mit einem eigentümlichen Gefühl von Spannung und Vorfreude öffnete er die nächste Tür. Ah, die Küche! Ganz in schlichtem Hellgrau gehalten und – wie nicht anders zu erwarten – picobello aufgeräumt. Lediglich ein benutzter Kaffeebecher auf der Spüle zeugte davon, dass hier ein Mensch lebte.
Er hob den Becher an den Mund und ließ den letzten noch darin befindlichen Tropfen gegen seine Zungenspitze rinnen. Kalt war er natürlich und mit einem Rest von Süße. Auch die fettarme Milch, die sie so gern in ihrem Kaffee mochte, schmeckte er heraus. Außerdem bildete er sich ein, dass der Becherrand minimal von einem Lippenpflegestift klebte. Den benutzte sie regelmäßig, wie er wusste. Gut, vielleicht hatte sie empfindliche Haut. Außerdem setzten spätherbstliche Kälte und trockene Heizungsluft diesem empfindlichen Körperteil gerade besonders zu. Gedankenverloren leckte er über den Rand des Bechers und stellte sich vor, dass er so den Kontakt zu ihren Lippen herstellte. Wie sie sich wohl anfühlten? Nun, er würde es herausfinden. Nicht heute. Aber bald.


Staller und der schnelle Tod

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Ein schriller Schrei unterbricht das Klassentreffen. Polizeireporter Mike Staller reagiert am schnellsten und stößt am Fuße der Treppe zu den Toiletten auf einen Toten. Es ist Fernsehproduzent Frank Hartig, ein rücksichtsloser, frauenverachtender Egomane, der sich im Leben viele Feinde gemacht hat. Dazu zählt auch die Frau, die ihn gefunden hat. Hat sie ihn getötet? Kommissar Bombach und Staller treffen auf zu viele Verdächtige, stolpern über einen Mädchenhändlerring und klären in einem furiosen Finale gleich mehrere Verbrechen auf.

Im fünften Fall des erfolgreichen Ermittlerduos stellt Staller einen neuen Rekord auf: Er ist nicht nur schneller als der Kommissar, sondern sogar schon vor dem Mord am Tatort! Allein am Abend des Klassentreffens gerät Hartig mit mindestens drei Personen in heftigen Streit. Eine betrogene Ehefrau, ausgebootete Kollegen und ominöse Investoren hinter seiner Firma hätten ebenfalls gute Gründe den Produzenten beseitigen zu wollen. Wer von diesen unzähligen Verdächtigen ist es gewesen?

Eine harte Nuss für den Reporter, der außerdem aufpassen muss, dass sich die neue Praktikantin Isa bei ihren ersten Schritten als Journalistin nicht in Teufels Küche bringt. Sie will unbedingt eine Topstory präsentieren und recherchiert in Kreisen, die sich mit geraubten Kindersklavinnen beschäftigen. Staller verhindert, dass sie sich eigensinnig in Lebensgefahr begibt und ist zwischen zwei Fällen hin- und hergerissen.

Kommissar Bombach leidet doppelt. Anstelle so vieler Tatverdächtiger hätte er lieber ein paar stichhaltige Beweise. Aber die sind Mangelware. Und zusätzlich plagen ihn große Sorgen um die Zukunft. Private Entwicklungen stellen sein bisheriges Leben auf den Kopf.

In ihrer unnachahmlichen, mal heiteren, mal ernsthaften Interaktion nähern sich die beiden Freunde der Lösung des Falles an. Hochspannung bis zum Finale in einer Lagerhalle in Hamburg-Wilhelmsburg! Dort muss Staller dieses Mal auch körperlich alles geben, um das Verbrechen aufzuklären.


Leseprobe

„Mike Staller, alte Hütte! Du hast ja allerhand erreicht im trüben Haifischbecken Fernsehgeschäft. Respekt, mein Lieber!“
Der Sprecher dieser Worte trat an den Tisch heran, der deutlich sichtbar alle Anzeichen eines langen Abends trug. Auf dem ehemals blütenweißen Leinentuch wetteiferten Krümel mit undefinierbaren Flecken um die Vorherrschaft und zeugten von einer ausführlichen Mahlzeit.
„Hallo Frank! Lang, lang ist's her ...“
Michael Staller vollführte eine vage Geste mit seiner linken Hand, die sein Gegenüber aber eindeutig als Einladung verstand. Er zog sich einen Stuhl zurecht und stellte den Cognacschwenker ab, bevor er sich niederließ. Einen Moment lang wankte er über der Sitzfläche und drohte aus dem Gleichgewicht zu geraten, dann hatte er erfolgreich Platz genommen.
„Wie lange läuft “KM – Das Kriminalmagazin“ schon, vier, fünf Jahre?“
„Knapp fünf.“
„Unglaublich!“ Eine eigensinnige Haarsträhne fiel ins Gesicht des Sprechers. Mit einer unwilligen Handbewegung schob er sie zurück, wobei er allerdings den Rest der Frisur erfolgreich ruinierte. Frank Hartig war mehr als nur ein bisschen betrunken. Aber man trifft sich auch nicht jeden Tag mit seinen Schulkameraden, um fünfundzwanzig Jahre Abitur zu feiern.
„Warum moderierst du die Sendung nicht mehr selber? Ich meine – nicht, dass die Blonde nicht extrem heiß wäre, aber du hast das doch auch gut gemacht. Zu alt?“
Staller grinste breit, was seinem Gesicht einen jungenhaften Charme verlieh.
„Nee, du weißt doch: Männer werden mit zunehmendem Alter glaubwürdiger. Jedenfalls im Fernsehen. Ich wollte einfach wieder mehr auf die Straße, echte Fälle recherchieren und mit ganz normalen Leuten reden. Reporterarbeit halt."
Hartig kämpfte kurzzeitig mit einem Schluckauf, dann antwortete er nuschelnd.
„Das wäre mir zu nervig. Ich bin froh, dass ich als Produzent tun und lassen kann, was ich will.“
„Wolltest du nicht eigentlich Jura studieren?“
„Hab' ich auch. Jedenfalls kurz.“ Hartig lachte meckernd. „Das wurde mir aber auch schnell zu stressig. In den späten Neunzigern habe ich dann meine eigene Produktionsgesellschaft gegründet und hatte damit genau den richtigen Riecher. Nach zwei Jahren hatte ich meine erste Million zusammen. Die nächsten waren dann leichter.“
Das selbstzufriedene Grinsen seines ehemaligen Klassenkameraden stieß Staller ab.
„Klingt nach einer tollen Erfolgsstory“, meinte er reserviert.
„Worauf du einen lassen kannst!“ Der Angetrunkene wedelte mit seinem Glas in Richtung Kellnerin. „Schätzelein, mach noch mal voll, ja? Aber ein bisschen hurtig für deinen Lieblingsgast Hartig, hä, hä.“
Beifall heischend sah er sich um. Die etwa zwanzig Personen des Treffens waren in dem großzügigen Raum verteilt, aber die Lautstärke des Sprechers sorgte dafür, dass sich mindestens die Hälfte von ihnen indigniert umdrehte.


Staller und die Höllenhunde

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Zwei tote Motorradfahrer liegen vor einer Kneipe am Hamburger Großneumarkt. Kommissar Bombach und Polizeireporter Mike Staller befürchten den Beginn eines Bandenkrieges. Die Ermittlungen laufen zäh, denn Rocker sprechen nicht mit der Polizei. Deshalb riskiert Staller sein Leben, indem er unerkannt in das fremde, abschreckende und gleichzeitig faszinierende Milieu des Motorradclubs eintaucht, in dem sich alles um Waffen, Drogen und Prostitution dreht. Als jedoch ein Mietshaus brennt, scheint das auf einen handfesten Immobilienskandal zu deuten, der bis in höchste Hamburger Kreise reicht.

Bei seinem vierten Fall ist Staller fast gänzlich auf sich allein gestellt. Um in den inneren Kreis der Rockergruppe vorzudringen, verzichtet er auf die Unterstützung durch seinen Freund Kommissar Bombach. Allein, nur mit seinem geliehenem Motorrad, abenteuerlichem Äußeren und einer glaubhaften Geschichte versehen, taucht der Reporter in der Stammkneipe der Hamburger Hounds of Hell auf. Werden die hartgesottenen Kuttenträger ihn akzeptieren? Staller weiß, dass sie ihn auf die Probe stellen werden, und hat sich gründlich vorbereitet.

In der Redaktion von “KM – Das Kriminalmagazin“ wird er in der Zwischenzeit schmerzlich vermisst, denn die Recherchen in einem Immobilienskandal erregen höchste Aufmerksamkeit. Unter Berufung auf die Olympiabewerbung Hamburgs soll die Redaktion mundtot gemacht werden. Die Erfahrung des Chefreporters fehlt seiner Kollegin Sonja Delft. Außerdem hat sie natürlich Angst um ihn. Völlig zurecht, wie sich herausstellt, als er bei den Höllenhunden seine Jugendliebe Andrea trifft, die ihn prompt trotz seines veränderten Äußeren wiedererkennt. Wird sie schweigen oder siegt ihre Loyalität gegenüber dem Club? Es kommt schließlich zum atemberaubenden Showdown in einem Waldstück am Rande der Stadt mit einem völlig unerwarteten Ausgang.


Leseprobe

Die beiden Männer vom Format familientauglicher Kühlschränke durchteilten den Raum wie russische Eisbrecher die Beringsee. Die Kneipe war gut gefüllt, aber vor ihnen tat sich automatisch eine Gasse auf. Ob es an den baumstammartigen Oberarmen mit den großflächigen Tätowierungen lag? Oder an den schwarzen Lederwesten? Vielleicht war es einfach der Blick der beiden Herren. Aus zusammengekniffenen Augen schien er auf einen imaginären Punkt in der Ferne fixiert – gar nicht so einfach in einer Gaststube, die maximal zehn Meter lang war.
Ohne Zwischenfall erreichten sie das äußerste Ende der Theke und angelten sich zwei Barhocker, die unter dem Gewicht von jeweils gut hundert Kilo zu schrumpfen schienen.
„Zwei Kaffee, bitte“, erklang die erstaunlich sanfte Stimme des einen Riesen und wie zur Bestätigung hob er zwei Finger seiner rechten Hand, wobei übergroße Ringe aus Silber aufblitzten.
Der Mann hinter der Theke nickte zustimmend und stellte zwei Becher bereit. Falls das Auftreten der beiden ihn beunruhigte, ließ er es sich jedenfalls nicht anmerken. Mit routinierten Bewegungen schenkte er die Kaffeepötte voll und arrangierte sie auf einem vorbereiteten Tablett mit Zucker und Milch. Er fügte noch zwei in Zellophan verpackte Kekse hinzu und stellte das Ganze auf den Tresen.
„Bitte sehr, die Herren!“
„Danke“, entgegnete Riese Nummer zwei und nahm sich einen der Becher. Augenscheinlich mochte er seinen Kaffee schwarz.
Der Mann hinter dem Tresen verharrte noch einen Moment und wandte sich dann den übrigen Gästen zu. Offenbar waren die beiden Männer mit ihrem Heißgetränk zufrieden und hatten keine weitergehenden Wünsche. Eine Kellnerin stellte ein großes Tablett mit schmutzigen Gläsern ab, unter dem Zapfhahn warteten sechs Biere auf einen letzten Schuss und ein Mann an einem Vierertisch von Skatspielern machte eine kreisende Bewegung mit dem Zeigefinger in der Luft, was bedeutete, dass er vier weitere Kurze bestellen wollte. Um diese Zeit herrschte Hochbetrieb und der Wirt und seine Bedienung konnten es sich nicht leisten, irgendwelchen Gedanken nachzuhängen. Schlag auf Schlag trafen die Wünsche der Gäste ein, Tablett um Tablett verließ den Tresen und für eine Stunde blieb nicht einmal Zeit, um die Gläser zu spülen. Gerade als der Vorrat frischer Bierhumpen auf einen kleinen Rest zusammengeschrumpft war, entspannte sich die Lage ein wenig und der Wirt trat tief durchatmend an das Spülbecken.
„Füllst du noch mal nach, bitte?“
Die Pranke mit den auffälligen Ringen schob sich ins Blickfeld des Wirtes. Regelrecht verloren wirkten die Kaffeebecher darin. Dafür fielen die Tätowierungen über den Knöcheln ins Auge. A – F – F – A stand da zu lesen. Was auch immer das bedeuten mochte.
„Klar, geht sofort los!“
Hatten die beiden Hünen jetzt wirklich eine Stunde hier nur gesessen und vor sich hin gestarrt? Der Wirt hatte sie total vergessen. Eilig schenkte er nach und wandte sich dann erneut seinen Gläsern zu. Abgießen, vorspülen, säubern, klarspülen und auf das Tropfblech stellen – seine Hände bewegten sich derart schnell und routiniert, dass das Auge des Betrachters nur mit Mühe folgen konnte.
Als er fertig war und den Blick durch den Raum schweifen ließ, bemerkte er, dass der Höhepunkt des heutigen Abendgeschäfts überschritten war. Ein Teil der Gäste war bereits gegangen, die Skatrunde beglich gerade ihre Zeche bei der Kellnerin und das Pärchen vor ihm am Tresen deutete an, dass es ebenfalls bezahlen wollte. Rasch kassierte er ab und wollte gerade nach einem Lappen greifen, als Riese Nummer eins ihn heranwinkte.
„Hast du mal einen Moment Zeit?“

Staller und die toten Witwen

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Mindestens sechs Wochen liegt die Witwe Hedwig Bolten tot in ihrer Wohnung in Hamburg-Dulsberg. Beraubt, ermordet und vergewaltigt. Die Spurensuche ist schwierig für Kommissar Bombach und Polizeireporter Mike Staller. Die Frau lebte sehr zurückgezogen und ihr einziger Verwandter wohnt weit entfernt am Bodensee. Wer hat sie zuletzt gesehen? Der Fahrer, der immer die Getränke lieferte? Ein Junge, der ihr manchmal im Haushalt half? Oder doch der Neffe aus dem Süden? Nach dem Mord an einer zweiten Witwe geht ein Aufschrei durch die Boulevardpresse: Wer ist der irre Omamörder?

Und wie passt eine junge Frau in dieses Puzzle, die Staller mit krankhafter Ausdauer folgt und sogar in seine Wohnung eindringt? Der Reporter muss bei diesem Fall einige Niederlagen einstecken und lernt dabei seine Grenzen kennen.

Drei Verdächtige kristallisieren sich heraus, die jeder ein dunkles Geheimnis in sich tragen. Aber ist einer von ihnen fähig einer alten Frau den Hals so lange zusammenzudrücken, bis sie stirbt? Da es mehr Mutmaßungen als Beweise gibt, stellt Staller dem Mörder schließlich eine Falle – was seinen Freund Bombach maßlos ärgert. Denn als Köder für den brutalen Täter dient eine Frau.

Der dritte Fall von Staller und Bombach lebt von den Abgründen der Psyche ganz normaler Menschen. Der Blick hinter die Kulissen offenbart frühkindliche Traumata, Beziehungsunfähigkeit sowie den Drang nach Zerstörung und Selbstzerstörung.


Leseprobe

„Halt bloß endlich die Schnauze oder ich komm da mal rüber!“
Der Mann hob wütend die Faust in Richtung des Kindes und schüttelte sie drohend. Dann wandte er sich wieder dem großen Fernsehgerät im eichenholzfurnierten Schrankfach zu. Erik Ode ermittelte als “Der Kommissar“ - natürlich in Schwarz-Weiß.
Der etwa dreijährige Junge lag in einer Art Babywippe, obwohl er dafür eigentlich viel zu groß war. Kopf und Füße überragten die mit dunkelblauem Stoff bezogene Sitzschale und die dünnen Metallrohre des Rahmens bogen sich verdächtig nach unten durch. Aber selbst wenn das Kind seine Position hätte verändern wollen – es wäre ihm nicht möglich gewesen. Denn ein breiter Ledergürtel war über die Körpermitte gespannt, fixierte die Arme und ließ dem Knaben gerade genug Luft zum Atmen. Die Gürtelschnalle befand sich unerreichbar auf der Rückseite des Sitzes. Möglicherweise hätte der für sein Alter groß gewachsene Junge mit einer ruckartigen Bewegung den ganzen Sitz auf die Seite werfen können, aber erstens hätte das seine missliche Situation nicht nennenswert verbessert und zweitens würde er um nichts in der Welt den Zorn des Mannes auf sich ziehen wollen. Ein langsam verblassendes Veilchen am linken Auge und dunkelgrüne Flecken an den nackten Oberarmen legten beredtes Zeugnis ab von häuslicher Gewalt, die zu dieser Zeit noch schönfärberisch “geeignete Zuchtmaßnahme in der Erziehung“ hieß und jedem Vater per Gesetz zustand.
Der Mann im Feinrippunterhemd mit kurzem Arm kippte die Bierflasche mit geübtem Schwung und nahm einen langen Zug. Dann stellte er sie auf den gekachelten Couchtisch und griff zum Schnapsglas, welches mit einer klaren Flüssigkeit gefüllt war. Eine Flasche Wacholderschnaps daneben war nur noch zu etwa einem Viertel voll. Ohne hinzuschauen fand der Mann das Glas und führte es zum Mund.
„Ahh – das tut gut!“ Mit dem Handrücken wischte er sich über die Lippen und stellte das Glas zurück auf den Tisch. Nach kurzem Zögern füllte er es erneut. „Auf einem Bein kann man ja nicht stehen, gell?“


Staller und die Rache der Spieler

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Ein Mann wird mitten in der Nacht tot in der Nähe der „Arche“, einer Anlaufstelle für Bedürftige, in Altona gefunden. Seine Oberschenkelarterie wurde durchtrennt; er ist verblutet. Außerdem hat er keinerlei Papiere bei sich und ihm fehlt ein Stück Daumen. Wer ist der Mann und warum vermisst ihn niemand? Ihr zweiter Fall gibt Polizeireporter Michael „Mike“ Staller und Kommissar Bombach allerhand Rätsel auf. Was haben ein arbeitsloser Chirurg, ein schlagkräftiger Philosophiestudent und das Hamburger Original Daddel-Gerd mit der Suche nach dem „Schlitzer“, dem Mörder mit dem Skalpell, zu tun?

Mike Staller ist es, der den entscheidenden Hinweis auf die Identität des Toten findet. Dafür entdeckt Bombach eine weitere Leiche. Gehören die Fälle zusammen? Die Opfer könnten nicht unterschiedlicher sein, aber die ungewöhnliche Todesursache legt den Verdacht nahe, dass ein und derselbe Mörder erneut zugeschlagen hat. Nur – warum?
Die Spurensuche führt den Reporter in einen obskuren Spielklub im Hamburger Umland. Dort scheint für Geld alles möglich zu sein. Illegale Wetten, Prostitution und Kämpfe nach dem Vorbild römischer Gladiatoren – Staller taucht in einen Abgrund menschlicher Leidenschaften ein. Und findet noch weitere Männer mit abgeschnittenen Daumen, die eines gemeinsam haben: den Wunsch, ihr Leben zurückzubekommen. Doch dafür muss erst noch jemand sterben ...


Leseprobe


Das fahle Blau des Bildschirms stellte die einzige Lichtquelle im Raum dar. Viel zu langsam baute sich der Fortschrittsbalken für die Kopie von der Festplatte des Rechners auf die Speicherkarte auf. Der Mann vor dem Monitor trommelte mit den Fingern auf der Tischkante und blickte sich gehetzt um. Wenn er jetzt erwischt wurde, würde er den Raum nicht lebend verlassen, so viel war sicher. Aber wenn es im gelänge, den kopierten Film aus der Überwachungskamera in seinen Besitz zu bringen, dann gab es eine Chance für ihn, in sein wahres Leben zurückzukehren. Seine letzte Chance, vermutlich.

Ein Knacken aus dem Gang ließ seinen Atem stocken. Es gab nur den einen Zugang zum Technikraum, durch den er mit der gestohlenen Keycard hereingekommen war. Durch diese Tür musste er auch wieder zurück. War da plötzlich jemand? Er lauschte so angestrengt, dass er sogar das Blut in seinen Ohren rauschen hörte. Aber das Geräusch wiederholte sich nicht. War es nur Einbildung gewesen? Egal. Er konnte einfach nur weitermachen; es gab sowieso keine Alternative.

Der Fortschrittsbalken hatte etwa 70% erreicht. Der Mann zog einen Briefumschlag aus der Tasche und überprüfte vielleicht zum zehnten Mal die Adresse und die Briefmarke. Alles schien in Ordnung zu sein. Wenn seine Lebensversicherung erst einmal in der Post lag, dann hatte er so gut wie gewonnen. Bei dem Gedanken entspannten sich seine verkrampften Gesichtszüge und er atmete mehrmals ganz bewusst tief ein und aus.

Pling! Der Kopiervorgang war abgeschlossen. Er zog die winzige Speicherkarte aus dem Schlitz des Kartenlesers und schob sie mit hastigen Bewegungen in den Umschlag. Dann legte er die gefalzten Klebestreifen übereinander und drückte sie fest. Durch das verschlossene Kuvert tastete er aus Vorsicht noch einmal nach der Speicherkarte. Sie war sicher verstaut. Nun galt es, das Gebäude möglichst unbemerkt wieder zu verlassen.



Staller und der Schwarze Kreis

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Eine Gruppe namens „Schwarzer Kreis“ hinterlässt auf Hamburger Friedhöfen neben okkulten Zeichen wirre Pamphlete, die auf bevorstehende Gewaltverbrechen hindeuten. Ein harmloser Spaß von gelangweilten Jugendlichen? Kommissar Bombach hat ein ungutes Gefühl. Er bittet seinen Freund Michael Staller, den bekannten Polizeireporter, um diskrete Unterstützung. Die Quellen des Journalisten ergänzen die offiziellen Möglichkeiten der Polizei oft sehr gut.

Zwei Tote innerhalb kürzester Zeit zeigen Staller klar: Hier geht es nicht um jugendliche Satanisten mit Geltungsdrang. Ein mysteriöser „Meister“ des Schwarzen Kreises und seine sadistische „Hohepriesterin“ ziehen die Fäden in einem seltsamen Spiel. Aber was bezwecken sie? Die Antwort erschüttert Bombach und Staller zutiefst. Ein eiskalt planender Erpresser bedroht im Namen des Schwarzen Kreises die Hansestadt mit blankem Terror. Er fordert Geld und verabredet eine Übergabe. Doch diese scheitert. Daraufhin setzt der Verbrecher ein furchtbares Zeichen seiner Entschlossenheit.

Staller und Kommissar Bombach läuft die Zeit davon. Die ohnehin dürftigen Spuren scheinen keine brauchbaren Ergebnisse zu liefern. Der Erpresser bleibt im Verborgenen und hat anscheinend seinen Spaß daran, mit den beiden Freunden Katz und Maus zu spielen. Doch Staller nutzt den einzigen Fehler des Verbrechers aus, um ihm nach einer aufregenden Verfolgung vor spektakulärer Kulisse am Ende doch das Handwerk zu legen.

„Sehr spannende Geschichte mit sicherem Sprachstil“ (Hamburger Abendblatt)



Leseprobe

Der Geistliche beendet seine Ansprache, indem er drei Schaufeln Erde auf den kleinen, mit weißen Rosen geschmückten Sarg fallen lässt. Dann tritt er zurück und nickt aufmunternd in Richtung der kleinen Trauergemeinde. Eine etwa dreißigjährige Frau mit verweintem Make-up macht ein paar unsichere Schritte in Richtung auf das Grab. Unter dem Arm hält sie einen verwaschen wirkenden Teddybären, dem man ansieht, dass er schon etliche Kinderjahre als bester Freund und nächtlicher Tröster hinter sich hat. In der rechten Hand trägt die Frau eine einzelne weiße Rose. Noch zwei Schritte, ein Wanken, dann steht sie an der tiefen Grube. Tränen laufen jetzt offen über das Gesicht der jungen Frau. Sie wirft die Rose auf den Sarg, küsst den Teddy, der im Laufe der Jahre ein Ohr eingebüßt hat, und lässt ihn dann fast abwesend fallen. Er trifft auf die Kunstrasenabdeckung am Rande des Grabes, überschlägt sich zweimal und landet dann in dem schmalen Zwischenraum zwischen Sarg und der lotrecht ausgestochenen Seitenwand. Dort bleibt er kopfüber liegen, wobei ein grotesk verdrehtes Bein sich wie ein Riegel auf den Sargdeckel legt.

Die Kamera fährt auf die Frau zu und zeigt ihr Gesicht in Großaufnahme. Trauer und Schmerz haben sich tief in ihre Gesichtszüge gegraben.

„Es gibt wohl kein schlimmeres Schicksal für eine Mutter, als ihre neunjährige Tochter zu Grabe zu tragen. Außer vielleicht, wenn sie wüsste, dass dieser Tod vermeidbar war. Die Ermordung der kleinen Sigrid ist die Folge einer unglaublichen Polizeipanne. Sie könnte auch heute an diesem warmen Frühlingsabend mit ihrer Mama im Garten spielen.“

Michael Staller blickte auf den Monitor vor ihm. Die verwackelten Amateuraufnahmen zeigten ein kleines Mädchen mit einem Hund. Das Kind kickte einen bunten Ball zu einer Frau in Shorts und knappem Top. Erst nach einigen Augenblicken wurde klar, dass es sich bei ihr um dieselbe Frau handelte, die eben auf dem Friedhof zu sehen war. Dann wurde der Bildschirm schwarz.


Mit fragender Miene schaute Michael Staller durch die gläserne Frontscheibe der schalldichten Aufnahmekabine zu seinem Toningenieur. Der hob den Daumen und drückte den Knopf für die interne Verständigung.